Das System der Kirchensteuer hat auch Tücken. Weil der Anteil der alten Menschen in der Gesellschaft und in der Kirche ständig wächst (und Rentner zahlen bisher in der Regel keine Steuern), nimmt die Zahl derer, die tatsächlich Kirchensteuern zahlen, entsprechend ab. Außerdem sind die Kirchen mit ihrer Haupteinnahmequelle von Entscheidungen der staatlichen Finanz- und Steuerpolitik abhängig. Senkt der Staat bei einer Steuerreform die Lohn- bzw. Einkommensteuer, so vermindern sich als Folge die Einnahmen der Kirchen. Während sich der Staat fehlende Einnahmen durch Erhöhung anderer indirekter Steuern (etwa der Mehrwertsteuer) zurückholen kann, ist den Kirchen dies nicht möglich.
Darüber hinaus hängt die Höhe der jährlich eingehenden Kirchensteuer stark von der Konjunktur, von der wirtschaftlichen Lage und von der Zahl der Arbeitslosen ab. Die Kirchen sind so angekoppelt an das Auf und Ab des gesellschaftlichen Wohlstandes.
Aber auch die Vorteile des deutschen Kirchensteuersystems liegen auf der Hand. Es ist verhältnismäßig einfach und unbürokratisch, es verteilt die Lasten immer noch auf viele Schultern und hält die Kirchen unabhängig vom Wohlwollen (oder dem Gegenteil) einzelner zahlungskräftiger Mitglieder. Die Kirchensteuer ermöglicht es, dass sich die Kirchenmitglieder entsprechend ihrem Einkommen an der Finanzierung der Kirche beteiligen. Das Steuersystem verschafft Planungssicherheit und trägt damit zur Verlässlichkeit der kirchlichen Arbeit - auch in Ihrer Nähe - bei.